BYOD ist verantwortungsvoll

Nach den Sommerferien 2015 wurden alle neuen Fünftklässler ins Projekt  “Brings mIT” aufgenommen, damit werden bei uns nun offiziell in allen 12 Mittelstufenklassen persönliche mobile Geräte in der Schule eingesetzt. Die Elterninformation spielt dabei eine wichtige Rolle. An Elternabenden informiere ich als operativer Leiter der Projektschule darüber, was sie erwartet und was sie erwarten können. Dieses Jahr habe ich einen speziellen Fokus darauf gerichtet, welche zusätzliche Bedeutung das auch sonst in der Schule sehr wichtige Dreieck „Eltern – Kind – Lehrperson“  durch das Projekt erhält.  Schulen, die das Mitnehmen von persönlichen Geräten zulassen (BYOD) haben die Möglichkeit, den Eltern in einem konfliktreichen Bereich zur Seite zu stehen und mehr Verantwortung zu übernehmen als Schulen, die Handys und Co. einfach verbieten.

Beispiel 1:
Es kam unter den Schülerinnen und Schülern auch an unserer Schule zu Situationen im Bereich Cybermobbing. Weil die Geräte in der Schule erlaubt sind und die Kinder sich beim selbst erstellten Vertrag eingehend mit der Thematik auseinandergesetzt haben, meldeten sie sich frühzeitig bei der Lehrperson und diese konnte zu einem Zeitpunkt reagieren, in welchem sich  das Mobbing  noch ohne grossen Schaden stoppen liess. Die Kinder haben die Lehrperson offensichtlich als kompetent und hilfreich bei ihrem Problem wahrgenommen. Wären Handys an unserer Schule verboten, hätten sie sich vielleicht nicht getraut, sich zu melden. Wären die Eltern mit dem Problem an die Lehrperson getreten, könnte diese ein Handyverbot als Argument verwenden, um sich als nicht zuständig für das Problem zu erklären.

Beispiel 2:
Ein Kind wurde in der Garderobe nach dem Duschen fotografiert. Die anderen Kinder wussten, dass dies eine strafbare Handlung ist, weil sie dies auch schon in der Klasse bei der Vertragsausarbeitung thematisiert hatten. Sie meldeten sich sofort bei der Lehrperson, welche grösseren Schaden verhindern konnte. Der Verstoss wurde in der Folge eingehend diskutiert und die Klasse hat etwas gelernt. Als handyfreie Schule besteht die Gefahr, dass sich die Kinder gar nicht bei der Klassenlehrperson melden oder diese sich gar nicht zuständig fühlt.

Beispiel 3:
In einem Klassenchat wurden Bilder verschickt, welche nicht jugendfrei waren. Mehrere Kinder der Klasse traten sofort aus dem Chat aus und meldeten sich bei der Lehrperson, welche dann die Eltern des Täters informierte. Die Angelegenheit wurde anschliessend in der Klasse diskutiert. Auch hier waren die Kinder dank des ausgearbeiteten Vertrags kompetent in der Situation und haben richtig gehandelt. Obwohl die Angelegenheit in den Ferien passierte, hat sich die Schule darum gekümmert.

Zwei Folien des Elternabends mit Erklärung:

Dieses Bild entspricht der Situation, wenn die Schule keine privaten Geräte zulässt. Die Eltern sind mit den Problemen, die im Zusammenhang mit digitalen Geräten auftreten auf sich alleine gestellt. Dadurch dass die Schule die Geräte verbietet, kann sie sich bei problematischen Vorfällen dahinter “verstecken”.

eltern-kind-lp

Wenn die Schule digitale Geräte zulässt und auch problematische Aspekte anspricht, sind eine weitere wichtige Personen im Umfeld des Kindes mit einbezogen. Die Schule übernimmt Verantwortung und bildet die Kinder, indem sie mit ihnen Nutzungsvereinbarungen erarbeitet oder mit den Kindern den Umgang thematisiert. Lehrperson und Eltern sind bestenfalls in Kontakt und wenn sie auch in diesem Feld zusammenarbeiten, ist der Erfolg sicher grösser.

Ein Schule die BYOD zulässt und die Nutzung und den Einsatz entsprechend begleitet, handelt verantwortungsvoll. Damit wird die Liste der positiven Faktoren von BYOD um einen Punkt reicher.

Auch an der Projektschule Goldau können wir Cybermobbing trotz Prävention nicht vollständig verhindern. Aber wir versuchen, nicht die Augen vor dem an allen Schulen lauernden Problem zu verschliessen.

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter BringsMIT!, Erfahrungen, Medienpädagogik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf BYOD ist verantwortungsvoll

  1. Pingback: Medien, moderne | Lehrerzimmer

  2. Hallo Kollege Neff,

    dürfte ich für eine Präsentation zur einführenden und anstossenden Diskussion zum Thema Handynutzung und BYOD die Bilder dieses Artikels nutzen?

    Viele Grüße aus Laupheim

  3. Selbstverständlich gerne!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *