Beeinflusst KI die Primarschule?

In der Projektschule Goldau haben wir uns bisher immer wieder gefragt, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz auf die Primarschule haben wird. Dabei waren wir uns weitgehend einig, dass es sich um ein wichtiges Thema handelt. Gleichzeitig gingen wir jedoch davon aus, dass die Auswirkungen bei Weitem nicht so gross sein würden wie an weiterführenden Schulen, etwa im Zusammenhang mit Abschlussarbeiten.

Vor einigen Wochen wurde ich diesbezüglich jedoch eines Besseren belehrt. Zur Förderung der Schreibkompetenz im Fach Deutsch schrieben die Kinder zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien jede Woche eine freie Geschichte. Dieser Auftrag war teilweise Bestandteil des Wochenplans, in dem die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben selbstständig über die Woche hinweg einteilen. Dafür stand ihnen viel Zeit in der Schule zur Verfügung, einzelne Aufgaben konnten sie aber auch zu Hause erledigen.

Als ich die handgeschriebenen Geschichten in den Heften einsammelte und ein kurzes Feedback geben wollte, staunte ich nicht schlecht: Eine Handvoll Texte war sprachlich nahezu perfekt und enorm besser als zuvor. Auf Nachfrage erklärten die betreffenden Kinder, ihre älteren Geschwister hätten ihnen geholfen.

Ich nahm dies zum Anlass, mit der Klasse eine Übung zum Einsatz von KI durchzuführen. Mir ist es immer wichtig, KI nicht zu verteufeln, sondern, dass die Kinder lernen wie sie dieses Tool sinnvoll nutzen können. Jedes Kind schrieb zunächst eine kurze Geschichte mit fünf Sätzen. Diese wurde anschliessend mithilfe eines Prompts an eine KI weitergegeben: «Schreibe daraus eine tolle Geschichte mit zehn Sätzen.»
Die längere Version schrieben die Kinder danach von Hand ab und markierten alle Unterschiede zur ursprünglichen Geschichte. Auf einer Karte notierten sie schliesslich drei Aspekte, die die KI aus ihrer Sicht besser gemacht hatte. Diese benutzten sie als Erinnerung, bei der bewerteten Geschichte, welche im Klassenzimmer geschrieben wurde.

Genannt wurden unter anderem:

  • viele passende Adjektive
  • abwechslungsreiche Wörter und unterschiedliche Satzanfänge
  • ein spannender Höhepunkt
  • wenige Rechtschreibfehler

Auffällig war, dass es sich dabei um Kriterien handelt, die den Kindern grundsätzlich bekannt sind, die durch das Beispiel der KI jedoch anschaulich sichtbar wurden. Eine der Herausforderungen ist nun der Transfer. Es zu erkennen, ist bekanntlich nur der erste Schritt. Nun muss ich mich auch noch daran erinnern können, die nötigen Fähigkeiten und den nötigen Einsatz zeigen um es umsetzen zu können.

Aus professioneller Sicht zeigt sich für mich hier deutlich, wie zentral die überfachlichen Kompetenzen im Lehrplan sind. Wer beispielsweise in der 6. Klasse in Bereichen wie Selbstreflexion, Informationsverarbeitung oder Problemlösefähigkeit noch wenig entwickelt ist, nutzt Hilfsmittel erfahrungsgemäss häufig als reine Erleichterung und Abkürzung. Dazu gehört heute selbstverständlich auch der Einsatz von KI. Teilweise beobachte ich auch das Gegenteil: herkömmliche Hilfsmittel werden als zu anstrengend und aufwendig empfunden, weshalb Aufgaben möglichst schnell und oberflächlich erledigt werden.

Kinder hingegen, die in diesen Bereichen altersgemäss oder sogar weiter entwickelt sind, können Hilfsmittel gezielt und sinnvoll einsetzen so, dass sie tatsächlich zum Lernen beitragen und Fortschritte ermöglichen.

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