schreiben, schreiben, schreiben

Vieles was ich im Semi vor 20 Jahren gelernt habe, stimmt vielleicht heute nicht mehr, aber etwas behält seine Gültigkeit: Schreiben lernt man durch Schreiben. Ich hatte während meiner gesamten Volksschulzeit Probleme mit der Rechtschreibung, so auch in meinem ersten Semijahr. Ich war geprägt von rot korrigierten Texten mit dem Faktor von Anzahl Fehlern pro Linie. Im Semi mussten wir fast täglich Texte schreiben, die in der Folge nicht immer korrigiert, aber immer kommentiert wurden. Ab und zu wurde korrigiert und man erkannte den Fortschritt in der Orthografie.

In meinen ersten Lehrerjahren liess ich dann auch Aufsätze schreiben und vergass meinen Leidensweg. Ich korrigierte jeden Text und liess ihn verbessern. Die sich ständig füllenden Lehrpläne und Zusatzaufgaben brachten mich aber aus Zeitnot zum Schreiben lassen zurück. Nicht jeder Text muss korrigiert werden, nicht jeder Fehler soll markiert werden und nicht jeder Fehler wird verbessert. Es kann auch einfach Spass machen, etwas zu schreiben. So lasse ich meine Schülerinnen und Schüler viel schreiben und kümmere mich nicht vordringlich um die Rechtschreibung. So geschah es auch in der Schulverlegung, ich liess die Schülerinnen und Schüler über die Erlebnisse bloggen. Nun habe ich Rückmeldungen, dass es aber viele Rechtschreibfehler habe, die nicht korrigiert worden seien. Ja, stimmt – aber die Schüler hatten Spass am Schreiben und das war mir wichtiger. Die Orthografie spielt schon eine Rolle, aber in diesem Fall hätte sie den Schreibprozess und die Freude behindert. Die Schülerinnen und Schüler haben fast 300 Artikel geschrieben und sich gegenseitig kommentiert.

Für mich war sehr erleichternd, dass die Berichterstattung über die Schulverlegung bereits abgeschlossen war, als die Schulverlegung zu Ende war. In anderen Jahren liess ich die Schüler anschliessend ans Lager Texte zu meinen gewünschten Rubriken schreiben und nach meinen Angaben überarbeiten und korrigieren. In meinen Ferien habe ich dann eine Broschüre zusammengestellt mit tollem Layout, vielen Fotos und fehlerfreien Texten. Die Broschüre übergab ich nach den Ferien den Schülern und lobt sie für die tolle Arbeit und stolz brachten sie ihr Werk nach Hause.  In Tat und Wahrheit war es aber eher mein Werk und somit etwas unehrlich. Der Blog über diese Schulverlegung ist viel authentischer und macht mir und wohl auch den Schülerinnen und Schülern mehr Spass – sie stören sich nämlich nicht an den Rechtschreibfehlern. Ich hoffe, die Leser nun auch nicht mehr.

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