Hausaufgaben via WhatsApp

Mit oder ohne BYOD gibt’s circa ab der 5. Klasse Gruppen- oder Klassenchats. In diesen Chats schicken die Schüler einander nicht nur sinnfremde Sätze oder Emojis, sondern auch Hausaufgaben. Sie tauschen dort hauptsächlich die Lösungen ihrer Matheaufgaben oder fragen die Chatrunde, wer ihnen beim Lösen helfen kann. So musste neulich mein Sohn jemandem im Chat noch schnell bei den Hausaufgaben helfen, obwohl wir gerade Mittagessen wollten. “Ich chume grad. Muess no schnell öpperem bi de Husi hälfe!”

Dabei ertappte ich mich beim Gedanken, dass es natürlich auch anspornend ist, einem Klassenkameraden helfen zu wollen, der die Hausaufgaben nicht verstanden oder gelöst hat. Auch wenn gar keine Schule ist. Zuvor war mir dieser Gedanke gar nie gekommen, denn ich dachte stets, dass in solchen Hausaufgabenchats nur einer wirklich arbeitet und die andern bloss davon profitieren. Aber ich glaube, ich habe mich da geirrt. Es geht hier gar nicht nur ums profitieren…

Ich glaube, es geht in erster Linie mal darum, zu sehen, ob man die Hausaufgabe richtig hat. Oder man wird daran erinnert, dass man ja noch welche hat. Natürlich hat man manchmal auch keine Zeit oder keine Lust darauf und ist dann froh, wenn jemand mehr Lust hatte und seine Lösung gleich der Klasse zur Verfügung stellt. Ich glaube, dadurch steigt dessen Beliebtheitsgrad in der Klassenhierachie nicht unwesentlich. Vermutlich kann man sich bei ihm dann auch auf die eine oder andere Art revanchieren. Solche Hausaufgabenchats sind vermutlich viel mehr geben und nehmen, als wir denken. Da laufen viel mehr soziale Stukturen ineinander als wir auf Anhieb vermuten. Natürlich gibt’s in diesen Chats auch welche, die nur profitieren, aber die gibt’s ja auch in der Gesellschaft.

Schlussendlich gehen diese Husichats also auch mit persönlichen Charaktereigenschaften und einer kleinen Portion Lebenschule Hand in Hand.

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Eine Antwort auf Hausaufgaben via WhatsApp

  1. Beat Rüedi sagt:

    Selbstverständlich können mit WhatsApp keine Hausaufgaben gelöst werden. Es kann mit WhatsApp auch nicht gelernt werden. Das wäre ja, wie wenn mit dem Telefon oder dem Schreibblock samt Kugelschreiber gelernt werden könnte. Selbstverständlich geben aber SchülerInnen auch über WhatsApp Lösungen weiter oder empfangen welche – genauso, wie sie dies schon vor grauer Urzeit gemacht haben – nur eben nicht mit WhatsApp.

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