Sie… – döf me au Musig lose?

Ich muss zugeben, als ich die Frage “Sie! Döf ich zum Zeichne au chli Musig ufem iPod lose?” zum ersten Mal hörte, wusste ich im ersten Moment nicht, was ich darauf antworten sollte. Zum einen hatte ich diese Frage in meinen 20 Jahren Schule noch nie gehört und zum andern, wusste ich nicht, was passiert, wenn ich einfach “ja” dazu sagen würde. Würden dann alle andern auch gleich nachziehen wollen? Würden sie dann anstatt zu zeichnen Musik hören sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren? Oder würde man dann beim Abschreiben oder bei einem Aufsatz – oder noch schlimmer beim Rechnen auch plötzlich Musik hören wollen? Natürlich nicht. Blödsinn.

Mal ehrlich: Was gibt es Schöneres, als sich beim Zeichnen seine eigenen Lieder (oder das geliebte Hörspiel) anzuhören. Nicht die Musik eines Mitschülers, die der Lehrer via Stereoanlage abspielt, weil er das im Zeichnen schon immer so gemacht hat und schliesslich auch jeder mal mit seiner Musik drankommt. Ganz egal, ob’s gefällt oder nicht. Da kommen mir eigene (qualvolle) Zeichenstunden in den Sinn, wo ich 90 Minuten lang Volksmusik erdulden musste, nur weil Sepp endlich auch dran war und seine Ländler-Kassette für den Zeichenunterricht am Nachmittag halt leider nicht zuhause liegen gelassen hatte.

“Ja, natürlich. Gute Idee, Michi”, sagte ich und stelle erstaunt fest, dass bloss ein einziger Schüler spontan nachzieht und auch gleich seinen Kopfhörer hervorkramt, um es Michi gleichzutun. Der Rest zeichnet friedlich weiter oder konzentriert sich wieder auf das spannende Ferienerlebnis, das ihm eben der Banknachbar gerade erzählt. Ich lehne mich gemütlich zurück, verschränke die Arme hinterm Kopf und bin zufrieden über meine Antwort. Ich beobachte noch ein wenig die Klasse und bin froh, dass die Kinder nun jeweils ihre eigene Musik hören dürfen, wenn sie zeichnen. Genauso wie ich selbst gerade beim Schreiben dieses Blogs oder fast immer, wenn ich an etwas Kreativem arbeite. Ich finde diese Frage so toll, dass ich mich selber ein wenig darüber wundere, wieso ich nicht selber schon viel früher darauf gekommen bin?

Dieser Beitrag wurde unter Digitaler Alltag, Erfahrungen, iDevice, iPod touch, Unterrichtsidee veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *