Hat BYOD in der Primarschule Zukunft? (Update vom 1.02.18)

Seit dem Schuljahr 2013/2014 arbeitet die Projektschule Goldau unter dem Slogan Brings mIT! primär mit den persönlichen Geräten der Schülerinnen und Schüler. Zuerst in fünf, unterdessen in allen 5. und 6. Klassen bringen die Kinder ihre eigenen Geräte mit – wer kein eigenes Gerät mitbringen will oder kann, erhält eines von der Schule zur Verfügung gestellt. Damit setzt die Projektschule Goldau die Grundidee von Bring your own device (BYOD) um, die bereits beim iPhone-Projekt von 2009 bis 2011 als Vision im Raum stand: Warum soll die Schule Geräte beschaffen, wenn die Schülerinnen und Schüler grossmehrheitlich bereits solche besitzen?

Christof Tschudi, der im August 2017 bereits den dritten Klassenzug mit BYOD gestartet hat, zieht ein positives Fazit: “BYOD funktioniert wunderbar“. Nicht alle am Projekt beteiligten Lehrpersonen würden das so euphorisch formulieren, vereinzelt wird durchaus spekuliert, ob das Handling nicht einfacher wäre, wenn alle das gleiche Gerät oder mindestens das gleiche Betriebssystem hätten. Die Kritik hält sich aber in Grenzen, andere Fragen des Einsatzes digitaler Medien sind an den Austauschtreffen relevanter.

Im Oktober 2017 habe ich per Twitter gefragt, welche Schweizer Volksschule (nicht Sek-II) ebenfalls mit mehr als einer Klasse auf BYOD setzt:

Die Reaktion war nicht dürftig – sie war niederschmetternd. Es fand sich keine einzige Schule. Kann das sein? Die Projektschule setzt nun bereits im 5. Jahr auf BYOD und keine einzige andere Volksschule – weder Primarschule noch Sekundarschule – folgt diesem Beispiel: Hat sich die Projektschule Goldau mit BYOD verrannt?

Aus meiner Sicht sind es drei vier Aspekte, warum BYOD an der Projektschule Goldau ab der 5. Klasse funktioniert, aber andernorts bisher meist als nicht umsetzbar oder wünschenswert angesehen wird:

  1. Die Bedeutung, welche die persönlichen Geräte an der Projektschule haben
  2. Die Art und Weise, wie die persönlichen Geräte eingesetzt werden
  3. Die Erfahrung der Lehrpersonen im Umgang mit persönlichen Geräten
  4. Die Unterstützung von BYOD durch die Schulleitung (Update 1.02.2018)

Gerätebedeutung

An der Projektschule Goldau sollen die persönlichen Geräte der Schülerinnen und Schüler Teil ihrer persönlichen Lernumgebung werden. Sie sollen die Geräte sowohl in der Schule als auch zu Hause nutzen und nach ihren Bedürfnissen konfigurieren können. Es ist somit unabdingbar, dass die Schülerinnen und Schüler auf ihren Geräten Administrationsrechte haben, aber als Teil der Medienkompetenz auch lernen müssen, ihre Geräte einzurichten und lauffähig zu halten (z.B. auch Speicherplatz für schulische Zwecke trotz privater Daten wie Filme und Spiele freizuhalten). Erfahrungsgemäss benötigt dies zu Beginn einige Zeit, funktioniert danach aber grösstenteils problemlos. Technische Aspekte (zum Beispiel Netzwerk-Verbindung, App-Download etc.) erfordern dabei meist keine Mithilfe der Lehrperson sondern werden vielfach von den Kindern untereinander geregelt.

Nicht nur die Geräteadministration durch die Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Durchmischung von Privatem und Schulischem im persönlichen Gerät ist eine bewusste Entscheidung der Projektschule. Eine Schule, welche mit digitalen Werkzeugen primär das fachliche Lernen fördern will, fährt vermutlich mit einheitlichen und von der Schule verwalteten Geräten besser, verpasst aber damit zahlreiche Möglichkeiten der alltäglichen Medienkompetenzförderung.

Geräteeinsatz

An der Projektschule Goldau stehen die bereits ab Werk verfügbaren Funktionen der Smartphones und Tablets im Vordergrund: Produktion, Bearbeitung, Konsumation und Austausch von Texten, Bildern, Tönen und Videos; Recherche im Internet, Kalender-, Uhr- und Taschenrechnerfunktion. Daneben werden primär kostenlose Apps eingesetzt, die sowohl für iOS als für Android verfügbar sind (siehe z.B. die App-Empfehlungen von Cristof Tschudi vom Oktober 2017). Auch die Nutzung von Webanwendungen reduziert den Bedarf einer einheitlichen Ausstattung, da diese meist von allen Geräten gleich gut genutzt werden.

Der beschriebene Geräteeinsatz ist wiederum ein bewusster Entscheid der Projektschule Goldau. Eine Schule, die primär auf den didaktischen Mehrwert einzelner spezieller Apps setzt, benötigt unter Umständen einheitliche Geräte mit einer zentralen Verteilung dieser (unter Umständen kostenpflichtigen) Apps.

Sowohl die Gerätebedeutung als auch der Geräteeinsatz an der Projektschule führen dazu, dass eine zentrale Geräteverwaltung (MDM) an der Projektschule Goldau überflüssig oder kontraproduktiv wäre.

Erfahrung der beteiligten Lehrpersonen

Aussenstehende vermuten oft, dass insbesondere die Unterstützung durch die Pädagogische Hochschule Schwyz die Umsetzung eines BYOD-Konzepts ermöglicht hat. Während diese Vermutung zwar die PHSZ freut, gehen wir eher von einer anderen Ursache aus: Die ersten drei Lehrpersonen der Projektschule Goldau haben alle mindestens zwei Jahre Erfahrung mit einer homogenen 1:1-Ausstattung gesammelt, bevor sie mit BYOD-Klassen starteten. Sie haben somit die Erfahrung gemacht, dass die Umstellung auf persönliche Geräte (1) viel mehr gedankliche Belastung bedeutet als der Umstieg auf heterogene Geräte und Betriebssysteme (2). Die weiteren Lehrpersonen der Projektschule Goldau konnten von diesen Erfahrungen profitieren. Wer jedoch weder das eine noch das andere kennt, schreckt evtl. vor dem erwarteten Aufwand (3) zurück und kann die Aufwandsverteilung (1 und 2) nicht abschätzen.Es könnte somit sein, dass BYOD(-Akzeptanz) erst homogene 1:1-Erfahrungen benötigt (Biblionetz). Eine entsprechende Erfahrung berichten mindestens Mandy Schiefner, Richard Heinen  und Michael Kerres 2013 aus der Gymnasialstufe (Biblionetz):

Die Vorerfahrung mit 1:1 war nach den Analysen der Schulleitungs- und Lehrerinterviews für die Schule eine wichtige Voraussetzung, um BYOD administrativ und didaktisch umsetzen zu können. Diese erste 1:1-Phase hat sehr zur allgemeinen Qualifikation der Lehrpersonen beigetragen, auch wenn es immer noch unterschiedliche Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien gibt. Durch die Historie als Laptopschule war das Unterrichten mit den privaten Geräten der Schülerinnen und Schüler und damit einhergehend mit einer heterogenen Ausstattungslandschaft für die beteiligten Lehrkräfte keine grosse Umstellung, denn die Lehrpersonen sind ein persönliches Arbeitsgerät auf Seiten der Schülerinnen und Schüler gewohnt. Für andere Schulen bedeutet dies, dass bei der Einführung von BYOD-Ansätze mit Sorgfalt vorgegangen werden sollte und umfangreiche Vorarbeiten hinsichtlich Administration und Kompetenzentwicklung aller Beteiligten sichergestellt werden sollten.

Unterstützung durch die Schulleitung

An der Projektschule Goldau wurden die Projekte mit persönlichen Geräten von Anfang an von Schulleitung und Schulrat intern gefördert und gegen aussen vertreten. Diese Unterstützung war während der Aufbauphase mit kritischen Gegenstimmen wichtig und verhindert auch heute noch, dass das Thema im laufenden Schulalltag untergeht.

Schulleitung und Schulrat übernehmen im Projekt die von Prasse & Scholl bereits 2001 definierten Rollen der Macht- und Prozesspromotoren (Biblionetz):

Eine breite und intensive Nutzung von Intemet- und Intranetanwendungen an Schulen wird sich am ehesten entwickeln, wenn:

  • es einige Intemet-engagierte Lehrer – als Fachpromotoren – gibt, von denen

  • der Intemet-Koordinator (Informatiklehrer) sich nicht als Experte absetzt, sondern eng mit ihnen zusammenarbeitet,

  • die Schulleitung den Einführungsprozess aktiv unterstützt – als Machtpromotor und vorantreibt – als Prozesspromotor ,

  • Aktiv-Lehrer, Informatikbereich und Schulleiter in einen gemeinsamem Prozess der Zielfindung für die Medienarbeit der Schule treten, um auf dieser Grundlage die inhaltliche und die technisch-organisatorische Gestaltung der Internet – und Intranetnutzung der Schule gestalten zu können,

Die MAS-Abschlussarbeit BYOD – Integration mobiler Geräte in der Schule von Christian Neff (2015) geht näher auf die grosse Bedeutung der Schulleitung in diesem Bereich ein.

Fazit

Bisher hat die Projektschule Goldau nicht das Gefühl, sich mit BYOD auf der Primarschulstufe (ab der 5. Klasse, nicht früher!) verrannt zu haben. Es liegt aber evtl. an der spezifischen Ausrichtung der Projektschule Goldau und den gemachten Vorerfahrungen, dass sich BYOD bisher andernorts auf der Primar- und Sekundarstufe nicht durchsetzen konnte. Wir bleiben dran 😉

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App Empfehlungen von Christof, 2017

Die unten stehenden Apps nutze ich regelmässig und kann ich sehr empfehlen.


LearningView (gratis)

Meine App Nr. 1 ist LearningView, die digitale Aufgabenverwaltung. Der Funktionsumfang wächst stetig, so dass andere Apps teilweise überflüssig werden. Die Lernenden haben Einsicht in ihren Arbeitsplan, führen ihr Journal, geben der Lehrperson Text-, Bild-, Ton-, Video-Antworten ab und erhalten Feedback. Bald wird wohl auch eine andere App für die Online-Speicherlösung (zum Beispiel Dropbox) überflüssig. Weiterlesen

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Die Lehrperson stellt ja doch nur Fragen

Neulich bin ich wieder auf eine interessante App gestossen. Sie heisst Socratic und soll angeblich alle Fragen beantworten können. Das spannende daran ist: Ich kann die Frage fotografieren und der Computer erkennt sie automatisch und sucht dann bei Q&A von Yahoo und Google und ähnlichem nach passenden Antworten.

Socratic: Hausaufgabenhilfe (AppStore Link) Socratic: Hausaufgabenhilfe
Hersteller: Vespr Inc
Freigabe: 9+
Preis: Gratis Download (iTunes-Link)

 

Die Ergbebnisse sind relativ lausig und keinerlei qualitätgeprüft. Wie bei jeder Internet-Recherche ist ohne Filterkenntnisse und eigenes Vorwissen kein gutes Ergebnis zu erzielen.

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Wenn Blogbeiträge gedruckt werden

Der Weblog der Projektschule Goldau umfasst aktuell 317 Beiträge und wird rege gelesen und zitiert. Trotzdem begegne ich auch nach 10 Jahren seines Bestehens immer noch digital durchaus bewanderten Lehrpersonen, die zwar die Projektschule Goldau kennen und sich für ihre Aktivitäten interessieren, aber den Blog nicht kennen.

Darum bin ich den Macherinnen und Machern des Berner Schulblatts schulpraxis sehr dankbar, dass sie in ihrer aktuellen Schwerpunktausgabe zum Thema Digitalisierung Ausschnitte aus diesem Blog abgedruckt und damit auf diese Informationsquelle aufmerksam gemacht haben.

Gerne mache ich deshalb umgekehrt darauf aufmerksam, dass alle Ausgaben dieser Zeitschrift als PDF downlaodbar sind. Nicht nur die aktuelle Ausgabe zur Digitalisierung enthält spannende Artikel!

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BYOD zum dritten

Zwei Schulwochen lang nach den Sommerferien dauern jeweils die Vorbereitungen, bis die Kinder ihr Gerät dann mitbringen und BYOD wirklich startet.

Die Vorbereitungen in den ersten Schultagen besteht darin, die Nutzungsvereinbarung zu erarbeiten und das Thema Passwort zu diskutieren. Dann, in der dritten Woche, bringen die Kinder ihre Geräte von zu Hause mit.

Wer kein eigenes Gerät mitbringen kann oder darf, erhält ein Android-Tablet für die Benutzung in der Schule. Diesmal haben 13 von 18 Kinder ihr eigenes Gerät mitgebracht, weniger als in den letzten beiden Schulklassen. Ich bin gespannt, wie sich diese Zahl in den nächsten Monaten verändert. (2 Kinder hatten noch ein Gerät, welche aber nicht wirklich funktionierten.)

Als erstes wird die WLAN-Verbindung hergestellt, ohne Internet läuft heute halt schon wenig. Bisher haben wir drei Apps installiert (Datenaustausch mit Dropbox und Sprachaufnahmen mit Audio Recorder sowie meine Lieblingsapp LearningView).

Die Aufgaben in den ersten zwei Wochen waren dann:

  • Deutsch Leseaufnahme machen: Die werde ich mit jedem Kind einzeln anhören, um sie darin zu schulen, worauf sie selbst achten und hören könnten. Das Ziel ist ja, dass sie ihre eigene Leseaufnahme auf die Qualität hin einschätzen können und bei Bedarf einen neuen, besseren Versuch machen.
  • Internet-Recherche: Wir haben Videobeiträge auf ihre Echtheit untersucht, die Glaubwürdigkeit des Internet in Frage gestellt, das Vertrauen in Wikipedia geprüft und den eigenen Namen in einer Suchmaschine eingegeben. Selten habe ich die Kinder so staunend erlebt. Die Grenze zwischen sprachlos und aufschreiend war fliessend.
  • Fremdsprachen-Wörter nachschlagen
  • Und natürlich arbeiten wir mit LearningView, dem digitalen Wochenplan.

Probleme: Das Einrichten der Dropbox ist nur für wenige Kinder machbar. Die Registration klappt zwar meistens, aber das Konto zu bestätigen und die Einladung zum Ordner anzunehmen verursachen teilweise Schwierigkeiten. Die Fragen zum automatischen Foto-Upload haben wir diskutiert und darum abgelehnt. Ansonsten ging alles ziemlich reibungslos über die Bühne.

Fazit: BYOD funktioniert wunderbar.

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Nutzungsvereinbarung

Wenn ich wie zuletzt vor 10 Tagen mit einer neuen Klasse ins BYOD-Abenteuer starte besteht dies zuallererst aus zwei Punkten. Einerseits erstellt jeder ein gutes Passwort, darauf gehe ich in einem anderen Post näher ein.

Passwort-Schutz

Auf die Bedeutung einer Vereinbarung bin ich hier schon einmal eingegangen:

Die Bedeutung einer Vereinbarung

 

Doch diesmal möchte ich das konkrete Vorgehen auflisten:

  • Ich gebe den Schülern den Auftrag, sich Regeln zu überlegen, die wir für den Unterricht mit digitalen Geräten brauchen werden. Meistens mache ich das mit einem Placemat, so dass zuerst jeder ein paar Minuten für sich alleine Ideen notiert und danach in der Gruppe diskutiert und erste, konkrete Vorschläge erstellt werden.
  • Diese Regeln sammle ich als Lehrperson, füge ähnliche zusammen, streiche Doppelnennungen raus und formuliere da und dort ganz leicht um.
  • Diesen Entwurf gebe ich wieder in die Klasse und lasse jede Regel diskutieren, was mal länger, mal weniger lang gehen kann. Teilweise entstehen dabei natürlich auch (rechtliche) Fragen, welche ich – siehe oben stehender Link “Die Bedeutung einer Vereinbarung” – klären können sollte.
  • Während dieser Diskussion können Regeln nochmals geändert, gestrichen, ergänzt werden.
  • Zum Abschluss darf auch ich meinerseits noch 2-3 Regeln vorschlagen. Die wurden bis anhin stets fraglos akzeptiert. Der Grossteil der Nutzungsvereinbarung bleibt ja das Werk der Klasse.
  • Anschliessend schreibe ich die Regeln rein, formatiere sauber und gebe ein Blatt den Kindern zur Unterschrift und den Eltern zur Kenntnisnahme.

Diese Vereinbarung nehme ich nach 1-2 Monaten wieder hervor und lasse die Schüler Stellung nehmen. Passen die Regeln noch? Brauchen wir Ergänzungen oder Anpassungen? Gibt es Regeln, die schwer einzuhalten sind? Diesen Prozess wiederhole ich dann etwa halbjährlich.

In sechs Jahren gab es sehr wenige Probleme, die Kinder sind gewillt, ihre eigenen Regeln gut einzuhalten.

Nachfolgend sind meine bisherigen Vereinbarungen. Das sind keine juristischen Verträge und ich rate dringend davon ab, diese einfach zu kopieren und den Schülern zur Unterschrift vorzulegen. Ich habe jeweils auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Einschliessung aller Eventualitäten. Der Prozess der Erarbeitung ist sehr wichtig und zudem sehr spannend.

20172015 / 2013 (fehlt) / 2011

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Passwort-Schutz

Wenn ich wie zuletzt vor 10 Tagen mit einer neuen Klasse ins BYOD-Abenteuer starte besteht dies zuallererst aus zwei Punkten. Einerseits erstellen wir eine Nutzungsvereinbarung, auf die ich in einem anderen Post näher eingehe.

Nutzungsvereinbarung

Ausserdem benötigt jeder Schüler dringend ein gutes Passwort, da wir immer wieder mal ein Login erstellen müssen (Dropbox, Quizlet, Mail, WordPress…). Ich erarbeite das mit den Schülern mit jeweils grad geltenden Regeln, wie man ein sicheres Passwort findet.

Zur Zeit empfehle ich, sich einen Merksatz auszudenken: Mein Lieblingsessen ist Lasagne mit Schokolade und Eis. Davon nimmt man jeweils den Anfangsbuchstaben und erhält als Passwort “MLiLmSuE.”. Es ist kaum rekonstruierbar und dennoch kann der Schüler sich das Passwort gut merken. Oder: Mein Vater hat am 3. Mai Geburtstag > “MVha3.MG.”

Ich notiere den Merksatz sowie das Passwort von allen Schülern. In diesem Alter kommt es halt doch noch hin und wieder vor, dass sie ihr Passwort nicht mehr kennen. Die Rücksetzung ist meist mit Aufwand verbunden, darum mache ich das so. Auch sollen sie für alle Schul-Logins dasselbe Passwort verwenden.

Wenn ein Schüler sein Passwort nicht mehr weiss, schaue ich auf meiner Liste nach (natürlich passwortgeschützt und nicht in einer Cloud abgelegt) und nenne den Merksatz. Meist erinnert sich der Schüler so wieder daran.

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Nachruf

Diesen Sommer ist in Arth der Hellraumprojektor von uns gegangen. Sein Hinscheiden war absehbar, kam schleichend.

Ich muss gestehen, mein Hellraumprojektor wurde ja schon lange aus dem Schulzimmer verbannt. Vor vielen Jahren hatte ich mir privat einen Beamer angeschafft und kurz darauf fand der HRP einen neuen Platz im Keller. Diesen Sommer erhielten nun auch unsere MS1-Klassenzimmer einen grossen Bildschirm an die Wand, wie wir ihn in der MS2 bereits seit knapp 2 Jahren haben. Und siehe da, Ende Sommerferien stand vor jedem Zimmer ein ausgemusterter HRP. Die werden nun meinem alten im Keller Gesellschaft leisten.

Ich freue mich schon auf den Moment, wo ich ihn für irgendein Projekt ins Schulzimmer zurückhole und die Kinder andächtig und ehrfürchtig fragen, was das für ein Gerät sei. Und sie werden ganz fasziniert davon sein. So ein Gegenstand aus längst vergessenen Tagen, aus Grossmutters Zeit.

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Als BYOD-Klasse in der “Flimmerpause”


Handy, Smartphones, Internet und Computer sind inzwischen auch aus unserem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Das Projekt Flimmerpause fordert die Teilnehmenden auf, ihre Freizeit eine Woche lang ohne Bildschirmmedien zu gestalten. Dazu sind auch die Eltern eingeladen.

Seit Beginn der Flimmerpause im Frühling 2006 haben jährlich mehr als 2000 Teilnehmende aus dem Kanton Luzern eine flimmerfreie Woche eingelegt und seit 2016 machen auch die Kantone Nidwalden, Schwyz und Uri mit. Das Experiment regt an, den eigenen Medienkonsum zu reflektieren, darüber zu diskutieren und die Freizeit anders zu gestalten.

In der Woche vom 6. bis 11. Juni 2017 fand nun also diese “Flimmerpause” statt und neben 800 Kindern aus dem Kt. Schwyz machte auch meine BYOD-Klasse der Projektschule Goldau (inkl. Lehrer) dabei mit.

Die Kinder der 6. Klasse a liessen dazu ihr iDevice im Schulzimmer einschliessen und bekamen es dann erst am Freitag wieder zurück. Zuvor wurden Kinder & Eltern über dieses Experiment informiert. Alle Teilnehmer erhielten dazu ein gelbes Gummiarmband mit der Aufschrift “Flimmerpause”, welches sie daran erinnerte, dass sie die Zeit, welche sonst beim Gamen und Surfen verbracht wird, neu zu füllen haben.

Wir starteten – wegen Pfingsten – erst am Dienstagnachmittag, schlossen dann unsere Geräte weg und bekamen sie erst am Freitagnachmittag wieder zurück. Grundsätzlich hätte die Flimmerpause aber bis Sonntag gedauert. Das Experiment basierte auf freiwilliger Basis und konnte somit von jedem jederzeit abgebrochen werden. Was aber nicht geschah. Die Erfahrungen, die wir mit dieser digitalen Entgiftung sammelten, waren für uns als BYOD-Klasse schlussendlich Kern der Sache. Deshalb hielten wir unsere Gedanken dazu täglich schriftlich fest & diskutierten darüber in der Klasse. Einzelne Statements der Kinder sind unten noch aufgeführt.

Zur “Flimmerpause” wurden wir vom Radio SRF1 (Regionaljournal Zentralschweiz) und dem Radio Central interviewt & begleitet.

Die Radio-Podcasts zum Nachhören gibt’s hier:
RADIO CENTRAL (3:41 min, Podcast vom 7. Juni 2017)
RADIO CENTRAL (3:21 min, Podcast vom 12. Juni 2017)
SRF1 (2 Podcasts auf der SRF-Website vom Juni 2017)

Statements einzelner Schüler nach der Flimmerpause:
“Es war sehr langweilig ohne Gerät, man wusste nicht, was man machen soll” (Florian)
“Es war sehr spannend, ich habe sehr viel für meine Familie gemacht.” (Robin)
“Es war nicht so schwierig, wie ich zuerst dachte. Ich hatte jeden Tag etwas vor. Ich habe mein Gerät nicht so vermisst.”
(Ideal)
“Am besten fand ich, dass ich abends immer müde war.” (Benjamin)
“Am Anfang war ich sehr aufgeregt und fand es lustig, doch noch am selben Abend fand ich es dann doch blöd, weil ich nicht wusste, was ich machen soll.” (Léonie)
“Es war irgendwie noch cool, es war mal etwas ganz anderes. Ich würde es aber nicht mehr machen.” (Sara)
“Ich habe gemerkt, dass ich schneller einschlafe.” (Yanick)
“Ich fand diese Erfahrung toll. Ich verbrachte viel mehr Zeit draussen.” (Aliyah)
“Ich habe viel gelesen und war mehr draussen.” (Rico)
“Ich vermisste es, meinen Kolleginnen zu schreiben. Es ist aber nicht so viel passiert, deshalb kam ich ganz gut ohne Gerät aus. Es fiel mir auch leichter, da die ganze Klasse mitmachte.” (Tatjana)
“Am Mittwoch ging ich auf den Schulhausplatz und da war mehr als die halbe Klasse dort. Als ich das Gerät wieder bekam, waren nicht viele Nachrichten drauf.” (Ramona)
“Zum Glück rief mich ein Freund an, sonst hätte ich es vor Langeweile nicht mehr ausgehalten.” (Almin)
“Am meisten habe ich vermisst, Musik zu hören. Aber es war eine gute Erfahrung.”
(Lia)
“Ich habe mehr Zeit mit der Famile verbracht.” (Sandro)
“Also ich habe gerne bei der Flimmerpause mitgemacht.” (Elena)
“Es war eine tolle Erfahrung.” (Fabian)

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Wieviel Dezibel darf es denn sein?

Digitale Methode für Ruhe im Schulzimmer: Auf dem Screen läuft eine App, welche den Schall misst und in einer Kurve aufzeichnet.

Man kann davon halten was man will, aber so weit ich gesehen (oder gehört) habe, funktionierts!

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