Handling von 20 iPhones

Das iPhone ist bekannt dafür, dass es recht einfach konfigurierbar ist – das stimmt  … aber mit Faktor 20 läuft doch nicht ganz alles reibungslos. Hier ein zusammengefasster Bericht der letzten zwei Monate:

Ende Juli habe ich die iPhones einsatzbereit erhalten und anschliessend nochmals neu aufgesetzt. Ich habe dazu ein Muster-iPhone mit folgenden Eigenschaften erstellt:

  • W-Lan SSID mit Passwort
  • Name als xy’iPhone
  • zwei synchronisierte Klassenkalender
  • Educanet-E-Mail-Account (statt Name einfach xy)
  • zwei bezahlte Programme (iMemento und Kopfrechnen) mit einem iTunes-Konto synchronisiert, anschl. Konto gelöscht und anderes Konto angemeldet (wo nicht die Kreditkartendaten hinterlegt sind …)
  • Gratis-Apps mit zweitem Konto synchronisiert
  • Einschränkungen mit Passwort geschützt und entsprechend unerwünschte Inhalte gesperrt (Apps, Musik, Video unter 12 Jahren)
  • Div. Einstellungen wie Helligkeit, Lautstärke, Bluetooth aus, Ortungsdienste aus, Automatische Sperre, Code-Sperre, Landeseinstellungen konfiguriert nach meinen Wünschen
  • Audiofiles Englisch und Französisch synchronisiert
  • Klassenpodcast abonniert
  • MobileMe-Account der Klasse konfiguriert, damit „Mein iPhone suchen“ funktioniert (alle anderen Funktionen ausgeschaltet)

Dieses Muster-iPhone habe ich dann mit der iTunes-Bibliothek synchronisiert (also auch ein Backup erstellt). Anschliessend musste ich noch alle iPhones auf die neue Firmwarversion 3.01 updaten und konnte dann nach dem erfolgreichen Updateprozess „aus Backup wiederherstellen“ auswählen. Dort wählte ich dann das Muster-iPhone aus. Nach dem Wiederherstellungsprozess konnte ich das iPhone umbenennen auf den Namen des Schülers. Das Neu-Aufsetzen war weder schwierig noch streng, aber seeeeehr zeitaufwändig.

Nach der Präsentation vom iPhone OS 3.1 fiel mir ein Link zu einem Configuration-Utility für Unternehmen auf, welches im Zuge der Neuvorstellung auch aktualisiert worden ist. Damit wäre vieles evt. einfacher gewesen – aber bei der Google-Recherche suchte ich halt nach „Schule“ und nicht nach „Enterprice“ 🙁

Die iPhones wurden in diesem Zustand an die Schüler übergeben und das funktionierte anfänglich recht gut. Probleme gab es beim W-Lan Passwort, welches anscheindend nicht gespeichert wurde, das musste ich dann bei jedem iPhone nochmals eingeben (wir haben ein sicheres PW mit Klein-/Grossbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen – nicht gerade einfach auf der iPhone-Tastatur …).

Grössere Probleme hatte ich mit dem Educanet2-Mail: Am Visualizer zeigte ich den Schülern Schritt für Schritt, wie sie in den Einstellungen xy durch ihren Namen ersetzen mussten und wo sie das Passwort eingeben sollten. Bei ca. der Hälfte der Klasse funktionierte anschliessend der Mailempfang – bei einem Viertel fanden wir kleine Tippfehler und konnten die auch funktionstüchtig beheben. Beim letzten Viertel weiss ich jetzt noch nicht, was das Problem war – habe aber lange danach gesucht. Alles richtig geschrieben – 1 zu 1 mit einem anderen iPhone verglichen – exakt gleich konfiguriert – Passwörter zurückgesetzt und neu eingeben – kein Empfang! Ich habe dann die Accounts einzel gelöscht und „von Hand“ eingegeben – klappte …

Freudig zeigte ich den Schülern, wie sie nun Fotos hochladen können (das mussten sie ja für die Schulreise üben) und liess sie machen – funktionierte nicht! Auf meinem persönlichen iPhone werden die Educanet2-Mails über einen SMTP-Server eines anderen Kontos gesendet, die Schüler haben aber kein anderes Konto und der Postausgangsserver von Educanet2 liess nicht nicht richtig konfigurieren. Da die Zeit drängte, eröffnete ich einen Bluewin-Account für die iPhone-Klasse und lasse die Educanet2-Mails nun über dessen SMTP-Server senden. Diese Übergangslösung löste natürlich wieder eine nächtliche Fingerübung für mich aus – nicht streng, aber eben …. zeitaufwändig und etwas stupid.

Probleme gab es dann noch mit dem Kalender, die Suche nach der Ursache dauerte recht lange und ist auch etwas kompliziert zum Erklären.

  • Kurzfassung: Auf einigen iPhones der Schüler wurden private Termine von mir gelistet, den Kalender konnte ich aber nicht löschen. Diese iPhones musste ich neu aufsetzen …
  • Langfassung: Ein Kind kommt zu mir und fragt, warum auf seinem iPhone „Kündigungstermin Versicherung“ steht … etwas überrumpelt schaue ich die Terminliste etwas genauer an und entdecke div. persönliche private Termine (auch sehr persönliche Termine). Ich habe die iPhones mit diesem Problem, es waren nur drei, neu aufgesetzt. Nach einer Woche tauchte das Problem bei einem weiteren Kind auf! Nach langem Suchen merkte ich, warum es so war. Im Frühling hatte ich Probleme mit MobileMe und der Synchronisation (gemäss Forenberichten war ich ja nicht der einzige …). Ich habe damals zur Sicherheit und zur Fehlersuche alle meine Daten auf mein zweites MobileMe-Konto geladen und nach der Problemlösung irgendwann vergessen. Dieses zweite Konto wurde in den Sommerferien zum Klassenkonto und die Termin habe ich nicht gesehen – ergo nicht gelöscht. Weil nun die Schüler die Funktion „mein iPhone suchen“ über diesen MobileMe-Account synchronisiert haben, kam es teilweise zur Synchronisation dieses Kalenders via diesem Account. Dass ich nicht sofort auf die Lösung kam, erstaunt wohl nicht.

Ein weiteres Problem kam dann noch auf, dass einige iPhones im W-Lan eine IP erhielten, welche bereits für meinen Computer vergeben war. Diesen IP-Konflikt konnte ich mit einer MAC-Adressen-Reservierung auf dem Airport lösen.

Fazit: So einfach und simpel wie der Einsatz von iPhones zum Privatgebrauch lief es bei mir nicht. Dank meinem Wissen, meiner Erfahrung und meinen Ausbildungen im Netzwerkbereich konnte ich alle Problemen selber lösen. Ich denke mal, ein „nicht-ICT-Freak“ wäre überfordert mit diesen Situationen und würde auf externe Hilfe warten oder das Projekt abbrechen. Dies deckt sich auch mit der Erfahrung, welche ich in meinen ICT-Kursen mache: Dort wo der Support gut geregelt ist, wird ICT deutlich lieber und häufiger eingesetzt. Die Lehrperson kann und will sich nicht mit Computerproblemen herumschlagen, sondern ICT einsetzen.

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Eltern sind auf der Schulreise dabei!

Am 31. August und 1. September durften wir dank der Albert-Köchlin-Stiftung auf unsere zweitägige Schulreise. 100 Primarschulklassen (5.-6. Klasse) der Innerschweiz wurden zu einer Exkursion zu den Themen Klimawandel / Ressource Wasser auf die Göscheneralp eingeladen. Die Aktion fand 2007 bis 2009 (Mai-September) statt und soll die Wirkung und Folgen des Klimawandels am Beispiel Wasser erlebnishaft erkennen lassen und zu bewusstem und umweltfreundlichem Umgang mit der Ressource Wasser sensibilisieren.

Unsere iPhones waren natürlich mit dabei und es wurde fleissig geknipst. Die Schülerinnen und Schüler luden die besten Fotos jeweils sofort aufs Netz und die Eltern waren sozusagen virtuell auf der Schulreise mit dabei. Das kam bei den Eltern sehr gut an und wir haben nun ein digitales Fotoalbum als Erinnerung.

Für mich war es die erste Exkursion/Schulreise, auf welcher ich digitale Geräte erlaubt habe. Meinen bisherigen Klassen war es verboten irgendwelche Walkmans, Playstations oder Gameboys mitzunehmen, weil ich grossen Wert auf sozialen Umgang untereinander legte. Dass ich nun mit etwas Überwindung diese Geräte mitnehmen liess, heisst nicht, dass ich mich gegen diesen Wert stelle – im Gegenteil. Ich nahm es zum Anlass, mit den Kindern über den Einfluss eines iPhones auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zu diskutieren und Regeln zu finden. Allen Schülern war klar, dass man unterwegs nicht laut Musik hört und andere damit belästigt. Meinen Vorschlag, auch nicht mit Kopfhörern Musik zu hören, stiess nicht gerade bei allen auf ein positives Echo, aber es leuchtete ihnen trotzdem ein, dass es besser ist, miteinander etwas zu machen, statt auf der ganzen Reise gemeinsam, aber irgendwie doch einsam Musik zu hören. Dies wurde übrigens auch problemlos eingehalten.

So wurde das iPhone auf dieser Reise so gebraucht, wie ich mir das vorstelle: als Gerät, dass vieles kann und auch gebraucht werden darf, aber nicht im Mittelpunkt steht. In der Fotogallerie finde ich nun 8 Fotos, wo ein iPhone im Einsatz ist, auf den restlichen 221 Fotos spielt es keine Rolle! Ich beobachtete auch, wieviel telefoniert wurde. Mitbekommen habe ich sieben Telefonate in der Mittagspause und zwei am Abend. Da ich aber weiss, dass die meisten nach Hause angerufen haben, gehe ich davon aus, dass die restlichen sich zum Telefonieren zurückgezogen haben – wenn ich da an laut telefonierende Mitreisende in SBB-Zügen denke, machen das meine Kids doch schon echt gut!

An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank dem besten und lustigsten Guide Hubert Blättler, dem Organisator Reto Odermatt und dem Sponsor AKS-Stiftung – es war SPITZE!

(die erwähnte Fotogallerie ist zum Persönlichkeitsschutz nur mit Passwort erreichbar, sozusagen als Werbung noch ein Foto der Göscherneralp untenstehend …)

Göscheneralp mit Gletscher

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Handyprofi-Rap

Zum Workshop Handyprofi der Pro Juventute gehörte auch das Erstellen eines Rap-Songs. Bei solchen Aufnahmen hat man als Lehrperson meistens zwei Gegenspieler: 1. Zeit, 2. Technik (das Taktgefühl einiger Kinder wäre wohl auch noch zu erwähnen …). Der Faktor Zeit hat auch bei dieser Arbeit mitgespielt, dafür war die Technik kein Problem. Die Schülerinnen und Schüler hatten ihr iPhone mit vier verschiedenen Rap-Loops, wovon sie einen auswählen durften (alle haben denselben ausgewählt). Mit der Aufgabe, mindestens eine Regel in einen kurzen Rap zu verpacken begannen die Kinder sofort und schrieben ihre Ideen auf. Anschliessend konnten sie mit dem Audiorecorder vom iPhone ihre Raps aufnehmen. Die entstandenen Raps habe ich nun kurz zusammengeschnitten und stelle sie hier online (bei zu hohen Erwartungen an das Produkt bitte an Gegenspieler 1 denken ;-):

Chat-Rap

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„Ohne mein Handy würde ich ausrasten.“

Der Gymnasiast Christian Omlin hat im vergangenen Oktober seine Maturarbeit zur Entwicklung des Umgangs mit dem Handy bei Kindern und Jugendlichen verfasst (siehe Biblionetz und neu auch der Volltext als PDF).

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Zu diesem Zweck hat er eine fünfte/sechste Primarschulklasse und eine fünfte Gymnasialklasse in Stans zu ihrem Umgang mit dem Handy befragt. Neben einem traditionellen Fragebogen erhielten die beteiligten Schülerinnen und Schüler dabei auch einen in Form eines Handys gefalteten Fragebogen zur Protokollierung einer Woche Handynutzung ausgeteilt:

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Als ein Fazit sieht Omlin zwei unterschiedliche Sichten auf das Mobiltelefon:

Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass die Gymnasiasten das Handy hauptsächlich als Kommunikationsmittel sehen mit allerlei nützlichen oder weniger nützlichen Funktionen inklusive, während die Primarschüler das Handy als Multimediaanlage verstehen und dieses dementsprechend auch gewandter handhaben. So entsteht ein Kontrast zwischen einem Werkzeug der
Kommunikation und einem Gerät, das fast alle Bedürfnisse befriedigt. (S.34)

Die Arbeit ist sehr spannend zu lesen, insbesondere weil sie von jemanden verfasst wurde, der selbst zur untersuchten Altersgruppe gehört. Es verleiht der Arbeit eine besondere Note, wenn man spürt, wie der Verfasser mit einer gewissen Verwunderung die Aussagen der nur etwa 6 bis 7 Jahre jüngeren Primarschulkinder zur Kenntnis nimmt und analysiert. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem Generationenwechsel und erinnert sich an früher:

Fast schon wehmütig erinnere ich mich an ein Gruppengespräch während einer Schulpause, in der wir uns gegenseitig von unseren ersten Handys erzählt haben.
Schwarzweissbildschirme und auswechselbare Schutzhüllen sind den meisten der älteren Gymnasiasten nur noch zu gut bekannt und einige bekundeten gar Bedauern, dass ihr erstes Handy plötzlich ein Sprung im Display hatte oder sie damit unvorsichtigerweise baden gingen. (S.34)

Hmm, wie alt muss ich mir vorkommen, wenn bereits Zwanzigjährige sich wehmütig an ihre ersten Technikkontakte erinnern? 😉

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Man sollte misstrauisch sein!

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Nachdem Christian Neff vor einiger Zeit im Weblog bereits auf das Kursangebot Handyprofis der Pro Juventute hingewiesen hat, fand heute morgen der entsprechende Kursmorgen mit der iPhone-Klasse statt. Sebastian Roxler diskutierte mit den Schülerinnen und Schülern Regeln im realen und virtuellen Leben und wies sie auf entsprechende Gefahren und Vorgehensweisen hin. Zum Abschluss komponierten die Kinder mit Hilfe der iPhones Rap-Songs, in denen sie das Gelernte thematisierten.

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Die Klasse war sehr aktiv und konzentriert und ich habe gestaunt, in welch kurzer Zeit die Gruppen ihre Songs komponiert und mittels iPhone aufgenommen hatten. Das Angebot von Pro Juventute scheint mir empfehlenswert, auch wenn ein halber Tag wenig Zeit für ein solch umfassendes Themengebiet ist.

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FAQ: Wie sieht es mit der Strahlenbelastung der Kinder aus?

Ist es sinnvoll und zumutbar, Kinder der Strahlenbelastung von Mobiltelefonen auszusetzen? Gefährdet das iPhone-Projekt nicht die Gesundheit der beteiligten Schülerinnen und Schüler der Projektschulklasse?

Mobiltelefone transportieren Daten und Sprachsignale per Funkwellen. Damit verursachen sie in ihrer Umgebung eine Strahlenbelastung, oft auch Elektrosmog genannt. Zur Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlen existieren unterschiedliche Aussagen und Studien. Es existieren offizielle, staatlich definierte Grenzwerte zur erlaubten Strahlenbelastung, die jedoch von Kritikern zunehmender Nutzung von Funktechnologie angezweifelt werden.

Wir sind uns der Gefahren und Diskussionen rund um die Strahlenbelastung von Mobiltelefonen und Funknetzwerken sehr wohl bewusst. Da über 80% der Schweizer 12-13jährigen ein eigenes Mobiltelefon besitzen, ist die Thematik nicht nur für die Projektschule Goldau relevant. Für das iPhone-Projekt an der Projektschule Goldau gilt folgendes:

  • Einhaltung der gesetzlichen Normen:
    Alle verwendeten Geräte halten die in der Schweiz gültigen Grenzwerte bezüglich Strahlenbelastung ein.
  • Senkung der Strahlenbelastung durch technische Massnahmen im Schulzimmer:
    Im Schulzimmer wird ein WLAN-Access-Point (IEEE 802.11g) betrieben, so dass innerhalb des Schulzimmers der grösste Anteil des Datenverkehrs per WLAN und nicht per Mobifunk (UMTS, EDGE) stattfinden wird, was zu einer geringeren Strahlenbelastung führt als wenn kein lokaler WLAN-Access-Point verfügbar wäre.
  • Senkung der Strahlenbelastung durch technische Massnahmen bei den Nutzenden:
    Alle Kinder haben eine Freisprecheinrichtung (Kopfhörer und Mikrofon) erhalten, so dass das Smartphone zum Telefonieren nicht an den Kopf gehalten werden muss.
  • Sensibilisierung und Information der Nutzenden:
    Bevor die Kinder die Smartphones auch nach Hause nehmen dürfen, werden sie auch über die Strahlenbelastungsproblematik informiert und sie erhalten Hinweise, wie die Strahlenbelastung minimiert werden kann. Dazu gehören u.a.:

    • Massvolle Nutzung
    • Abschaltung nicht genutzter Dienste und Übertragungsarten
    • Verwendung der Freisprecheinrichtung

Siehe auch:

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Wie sieht es mit Office-Programmen aus?

Für die iPhone-Plattform existieren derzeit zwei verschiedene, kostenpflichtige Programme (Quickoffice ~CHF 17, DocumentsToGo ~CHF 5, ein Produktvergleich), die das Anschauen und Bearbeiten von Word- und Excel-Dateien ermöglichen. Bisher ist keines dieser Programme auf den iPhones der Projektklasse installiert.
Es ist für mich eine offene Frage, ob die Kinder eine lokal auf dem Smartphone installierte Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware benötigen oder zumindest vermissen, wenn sie fehlt.

Derzeit verfügen die Kinder über mindestens zwei Alternativen: Entweder sie verwenden die Programme, welche auf den „traditionellen“ Computern im Schulzimmer installiert sind, oder sie nutzen entsprechende Dienste im Internet (Wikis, Google Doc, etc.).

Hinter dieser konkreten Frage stecken die allgemeineren Fragen

  • Werden mobile Kleingeräte die bisherigen Schulcomputer ersetzen oder ergänzen?
  • Werden lokal installierte Programme in Zukunft zunehmend durch Dienste im Internet ersetzt werden (cloud computing)?

Ich bin gespannt darauf, welche Nutzung sich in diesem Fall im Schulalltag konkret etablieren wird.

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Pockets of Potential

Im Januar 2009 hat das Joan Ganz Cooney Center eine kostenlose Broschüre (PDF) (siehe auch Biblionetz) zu den Potenzialen mobiler Kleincomputer veröffentlicht. Zu diesem Zweck wurden u.a. 25 aktuelle Handheldprojekte angeschaut und ausgewertet.

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Die Broschüre sieht fünf wichtige Potenziale beim Einsatz von Mobilgeräten in der Schule:

  1. Jederzeit und überall:
    Die Geräte ermöglichen den Kindern, Informationen auch ausserhalb des Schulzimmers zu sammeln, empfangen und zu verarbeiten. Dies ermöglicht lernen in realen Situationen sowie Verbindungen zwischen Schule, Freizeit und Zuhause.
  2. Durchdringung aller Schichten:
    Durch die  relativ tiefen Kosten ist es möglich, eine hohe Durchdringung mit Mobilgeräten zu erreichen, einerseits in allen Einkommensschichten, andererseits auch in Entwicklungsländern, womit die Chancengerechtigkeit erhöht werden kann.
  3. Förderung der Sozialkompetenzen des 21. Jhd.:
    Mit Hilfe von Mobilgeräten können für das 21. Jhd. wichtige Kompetenzen des Kommunizierens und Kooperierens geübt werden.
  4. Passt in verschiedene Lernumgebungen:
    Die kleinen Geräte lassen sich einfacher in verschiedene Lernumgebungen integrieren als bisherige, eher klobige Geräte.
  5. Ermöglichen von persönlichen Lernerfahrungen:
    Nicht alle Kinder sind gleich. Mobilgeräte erleichtern das Inidividualisieren des Unterrichts.

Mit diesen Potenzialen bin ich mehrheitlich einverstanden, am ehesten frage ich mich, ob es – zumindest in der Primarschule – wirklich technischer Unterstützung bedarf, um Kommunikation und Zusammenarbeit zu üben. Das Wesentliche an diesen Sozialkompetenzen ist ja nicht der Umgang mit Hard- oder Software, sondern der zwischenmenschliche Umgang. Natürlich sind dann medienspezifische Regeln (Netiquette) einzuhalten, aber das alleine würde für mich noch keine Mobilgeräte in der Schule rechtfertigen.

Neben den Potenzialen listet die Broschüre aber auch fünf zentrale Herausforderungen von Mobilgeräten in der Schule auf:

  1. Umgang mit den negativen Aspekten von Mobilgeräten:
    Ablenkungs- und Suchtpotenzial, unethische Verhaltensweisen sowie gesundheitliche Bedenken
  2. Kulturelle Normen und Haltungen:
    Bisher werden Mobilgeräte von Lehrpersonen und Schulbehörden meist eher als Last denn als Chance für die Schule betrachtet
  3. Keine Theorie des mobilen Lernens:
    Bisher existiert keine breit akzeptierte Theorie des mobilen Lernens.
  4. Unterschiedliche Verfügbarkeit und Technologie:
    Bisher ist die Verfügbarkeit und verwendete Technologie bei Mobilgeräten von Lernenden sehr unterschiedlich, was den Einsatz in der Schule erschwert.
  5. Limitierende Geräteeigenschaften:
    Die Geräte verfügen noch nicht über die für die schulische Nutzung notwendigen Eigenschaften bezüglich Texteingabe, Batterielaufzeit, Lesbarkeit des Bildschirms etc.

Auch mit dieser Auflistung bin ich mehrheitlich einverstanden, ausser mit Punkt 3. Ich sehe noch nicht, warum es für mobiles Lernen eine eigene Lerntheorie braucht. Lernen mit Mobilgeräten scheint mir jetzt nicht so neu- und andersartig zu sein, dass da gleich eine neue Lerntheorie geschaffen werden müsste. Wenn ich ohne Mobilgeräte eine konstruktivistisches Lernverständnis habe, dann ändern Mobilgeräte daran nicht viel, oder doch?

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Sinnvoll oder nicht?

Zur Beruhigung all jener Stimmen, die denken unsere Schüler hätten jetzt nur noch das iPhone in der Hand: Christian und ich geben immer noch ganz „normal“ Schule. Bloss hilft uns das iPhone beim Individualisieren des Unterrichts.

Zugeben: Haben sich die Schüler der letzten Klasse nach Schulschluss auf die Laptops gestürzt, bevorzugt die jetzige Klasse natürlich ihr iPhone. Sie finden es halt schon schade, dass sie ihr „Teil“ noch nicht nach Hause nehmen dürfen. Erstaunlich ist aber, wie kreativ die Kinder mit dieser Situation umgehen. So habe ich zum Beispiel einen Schüler gesehen, der sich die Hausaufgaben in die Applikation „Notizen“ geschrieben  und nach Hause gesendet hat. Nun soll mir bloss niemand kommen, dass die Kinder besser lernen sollen ihre Sachen im Kopf zu behalten. Ich bin nämlich froh, wenn alle ihre Aufgaben zuverlässig erledigen – mit welcher Hilfe auch immer!

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FAQ: Gibt es denn genügend sinnvolle Lernprogramme für das iPhone?

Bei der Diskussionen um das iPhone-Projekt taucht oft die Frage auf, ob es denn genügend sinnvolle Lernprogramme für das iPhone gäbe. Dahinter steckt die Vorstellung

Einsatz von ICT in der Schule = Einsatz von Lernprogrammen

Dem ist aber nicht so. Lernprogramme stellen nur eine von vielen Einsatzmöglichkeiten von ICT in der Schule dar. Wenn Kinder mit einer Textverarbeitung ihre Sprachkompetenz verbessern, im Internet recherchieren, selbst geschossene Fotos bearbeiten und zu einem Fotoroman zusammenstellen usw., dann bietet der ICT-Einsatz didaktische Mehrwerte, ohne dass spezielle Lernprogramme zum Einsatz gekommen wären. ICT-Einsatz kann auch ohne Lernprogramme sinnvoll sein!

Damit bleibt aber die Frage nach Lernprogrammen für das iPhone noch unbeantwortet. Derzeit gibt es im App-Store über 65’000 Programme, davon einen Drittel kostenlos. Darunter befinden sich zahlreiche Programme, die als Lernprogramme angepriesen werden. Wie bei allen Lernprogrammen existieren auch für das iPhone Programme unterschiedlicher Qualität. Diesbezüglich muss das Rad nicht neu erfunden werden, für Lernprogramme existieren seit längerem Kriterienkataloge zur Qualitäts-Beurteilung.

Besonders wertvoll sind dabei Beurteilungen von Lehrpersonen, welche die Programme bereits im Schulalltag eingesetzt haben. Im Internet existieren bereits mehrere Websites, welche Lernprogramme für iPhones rezensieren:

  • IEducation Apps review (RSS): Eine englischsprachige Website die von mehreren TEL-Praktikern betrieben wird und die (natürlich nur englischsprachige Apps für iPhones/iPods empfiehlt (und mitunter auch zur Nichtnutzung empfiehlt!).
  • Best iPhone Apps for Kinds: Spiel- und Lernprogramme für sehr kleine Kinder (bis und mit Kindergarten)
  • Top 50-iPhone Apps for Educators: Eine Liste mit 50 Programmen, die sich für die Schule eignen
  • Liste wird laufend erweitert werden…

Viele der vorgestellten und empfohlenen Programme sind allerdings nur auf englisch verfügbar oder befassen sich mit Inhalten, die nur für amerikanische Schülerinnen und Schüler relevant sind (z.B. das oft genannte iPresident, welches Informationen zu allen US-Präsidenten liefert).

Trotz diesen einschränkenden Bemerkungen gibt es auch für Schweizer (bzw. deutschsprachige) Bedürfnisse brauchbar Lernprogramme. Es gehört mit zu den Zielen des iPhone-Projektes solche Programme ausfindig zu machen, zu testen und über die Erfahrungen zu berichten. In diesem Sinne werden in der Blog-Kategorie Apps / Programme regelmässig Erfahrungsberichte über getestete Programme für das iPhone zu finden sein (die meist auch auf dem iPod Touch nutzbar sind).

Hinweise auf gute Lernprogramme sind selbstverständlich willkommen…

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